Ein Dorft plant seinen Geburtstag

Artikel im Weilburger Tageblatt vom 10. August 2014

Von Dorothee Henche

 

 

Ein Dorf plant seine Geburtstagsfeier

Jubiläum Bürgerversammlung in Selters anlässlich des 700-Jahr-Jubiläums im Jahr 2017

Löhnberg-Selters (hen). Die Urkunde, in der Selters an der Lahn nachweislich zum ersten Mal erwähnt worden ist, datiert vom 6. Dezember 1317. Bei einer Bürgerversammlung, zu der die Gemeinde jetzt eingeladen hatte, diskutierten die Teilnehmer, ob sie dieses Jubiläum feiern wollen und in welchem Rahmen dies möglich wäre.

Den ersten Schritt zum Jubiläumsfest habe der 340 Einwohner zählende Ortsteil schon gemacht, sagte Bürgermeister Frank Schmidt (SPD) eingangs. Die Urkunde mit der offiziellen Ersterwähnung und deren Übersetzung liege der Gemeinde bereits vor. „In der elften Zeile ist es das fünfte Wort von rechts“, zeigte er die deutlich vergrößerte Farbkopie des gerade einmal zehn Zentimeter großen Dokuments. Diese Urkunde ist zwar mit die wichtigste Voraussetzung, um ein Dorfjubiläum zu begehen. Doch dann fängt die eigentliche Arbeit erst an. Wie so ein Fest gestaltet und wie es organisiert werden kann, das berichtete Pfarrer Achim Schaad, der 2010 maßgeblich am Jubiläum „700 Jahre Kirche und Dorf Obershausen“ mitgewirkt hatte. „Es braucht einen Anlass und es braucht den Willen, ein solches Fest zu gestalten“, betonte er. Da sei zunächst die Frage zu klären, was die Menschen in Selters wollten. Wenn eine Feier, in welcher Form könnte es dann ablaufen? Sollte es ein großes Festwochenende oder mehrere Veranstaltungen über ein Festjahr verteilt sein? Neben einem akademischen Abend wäre auch ein historischer Markt oder ein Festzug möglich. Falls eine Dorfchronik erstellt werden sollte, müsste sich schon bald eine Arbeitsgruppe dafür gründen, da diese Arbeit erfahrungsgemäß am zeitintensivsten sei, sagte Schaad. Das Zusammentragen von alten Bildern und historischen Dokumenten sei zwar sehr aufwendig, dafür schaffe man etwas Bleibendes. Darüber hinaus braucht es Strukturen, um die Veranstaltungen entsprechend abzuwickeln, insbesondere die finanziellen Angelegenheiten. In Obershausen haben sie nach Auskunft des Pfarrers die Formalie so geregelt, dass die ortsansässigen Vereine sowie die Kirche und die Gemeinde einen Vertrag geschlossen haben, mit dem sich eine BGB-Gesellschaft gründete. Das wäre auch für Selters der erste Schritt hin zu einem Fest. Auch wenn es nicht so viele Vereine in Selters gibt, wollen sie doch zunächst einmal klären, wer für einen solchen Vertrag in Frage kommt. Das gefeiert werden wird, scheint nach der gut besuchten Versammlung schon klar zu sein. Über den Umfang wird in den kommenden Wochen sicherlich noch eifrig diskutiert, wie die ersten Wortmeldungen in der Versammlung deutlich machten. Die geringe Einwohnerzahl führe dazu, dass auch nur eine geringe Anzahl an Helfer bereit stünde, meinte ein Bürger. „Klein, aber oho“, so schwebte einem anderen das Jubiläumsfest vor. Mit den näheren Einzelheiten werden sich die Selterser in weiteren Gesprächen beschäftigen. Dazu soll die monatlich stattfindende „Babbelstubb“ genutzt werden, für die noch einmal eine besondere Einladung an die Vereinsvertreter und alle Bürger ergeht.


Foto 1: In der elften Zeile, das fünfte Wort von rechts heißt „Selters“. Die stark vergrößerte Farbkopie der Urkunde aus dem Jahr 1317 ist Beleg dafür, dass der Ort in drei Jahren 700 Jahre alt wird. Wie das Jubiläumsfest aussehen könnte, liegt derzeit aber noch im Dunkeln.


Foto 2: Das kleine Dorf Selters kann in drei Jahren seinen 700. Geburtstag begehen.

(Foto: Henche)